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Der Fachkräftemangel prägt den Arbeitsmarkt
Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass viele Unternehmen händeringend Personal suchen, während geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen und junge Talente schnell weiterziehen. Die Folge: Unbesetzte Stellen, steigender Konkurrenzdruck und ein wachsender Bedarf an innovativen Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung.

Herausforderungen des deutschen Arbeitsmarktes: Demografie, Ruhestandswelle und schwache Bindung
Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor gewaltigen Herausforderungen: Fachkräftemangel, demografische Veränderungen und schwache Mitarbeiterbindung. Laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) blieben 2024 trotz konjunktureller Abkühlung rund 487.000 Stellen rechnerisch unbesetzt. Besonders schwierig war die Besetzung von Expert*innen‑Positionen: Für 45 % der offenen Stellen auf akademischem Niveau gab es keine qualifizierten Arbeitslosen. Die Fachkräftelücke ist damit zwar leicht gesunken, bleibt aber hoch und betrifft insbesondere Engpassberufe wie Elektrotechnik, Bauelektrik oder Gesundheits‑ und Sozialberufe.
Der demografische Wandel verschärft die Lage: Millionen Babyboomer verlassen in den nächsten Jahren den Arbeitsmarkt, während die nachfolgenden Generationen zahlenmäßig kleiner sind. Eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung (IAB) warnte 2025, dass bis 2035 rund sieben Millionen Erwerbspersonen fehlen könnten, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Gleichzeitig ist die Bindung der jüngeren Belegschaft alarmierend schwach: Laut einer Forsa‑Studie von 2024 planen 49 % der 18- bis 29‑Jährigen, ihren Arbeitgeber in den nächsten Jahren zu wechseln. Der Gallup Engagement‑Index 2024 belegt, dass nur 9 % der deutschen Beschäftigten eine starke emotionale Bindung an ihr Unternehmen empfinden. Unternehmen müssen daher sowohl erfahrene Fachkräfte halten als auch junge Talente anziehen.
Mitarbeitende der Generation 50+: Was sie motiviert zu bleiben
Demografie, schwache Mitarbeiterbindung und die kommende Ruhestandswelle zählen zu den zentralen Herausforderungen der Arbeitswelt. Der TK‑Gesundheitsreport 2024 untersuchte, wie sich die Generation 50+ länger im Beruf halten lässt. Befragt wurden über 1 .000 Beschäftigte ab 50 Jahren und 311 Arbeitgeber. Die Studie zeigt, dass insbesondere flexible Arbeitszeitmodelle (73,7 %), individuelle Renteneintrittsplanung (70,3 %) und gesundheitsfördernde Maßnahmen (60 %) entscheidend sind. Gesundheitsförderung umfasst betriebliche Fitnessprogramme, ergonomische Arbeitsplätze, Stressmanagement und Prävention. Gleichzeitig bieten nur 57 % der Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten an, und nicht einmal die Hälfte (48,8 %) unterstützt den Renteneintritt. Hier eröffnen sich Chancen: Wer diese Bedürfnisse gezielt adressiert, bindet die erfahrene Belegschaft länger.
Warum sich Gesundheitsförderung lohnt
Der Krankenstand ist ein wesentlicher Kostentreiber und gefährdet die Produktivität. Laut dem Fehlzeiten‑Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) lag der Krankenstand 2023 bei 6,6 %; im Durchschnitt meldeten sich AOK-versicherte Beschäftigte 23,9 Tage pro Jahr krank. Muskel‑ und Skeletterkrankungen verursachten fast 19 % der Fehlzeiten; psychische Erkrankungen nahmen seit 2013 um 56,5 % zu und verursachten sehr lange Ausfallzeiten (durchschnittlich 28,1 Tage pro Fall).
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und Firmenfitness sind effektive Gegenmaßnahmen. Der iga‑Report 28 fasst zahlreiche Studien zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass Maßnahmen zur Gesundheitsförderung die krankheitsbedingten Kosten um 26 % und die Fehlzeiten um 27 % reduzieren. Jeder investierte Euro bringt laut Metaanalyse einen Return on Investment von 2,73. Kombinierte Programme aus individueller Förderung (Sport, Stressprävention) und organisatorischen Anpassungen (ergonomische Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten) wirken besonders stark. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont zudem, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Symptome von Depressionen und Angststörungen reduziert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert, ein wichtiger Faktor angesichts steigender psychischer Belastungen.

Gesundheitsförderung stärkt die Arbeitgeberattraktivität
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) stellt fest, dass Unternehmen BGF nicht nur aus Fürsorge anbieten, sondern auch als strategisches Instrument im Wettbewerb um Fachkräfte. Neben den gesundheitsförderlichen Effekten sei die Arbeitgeberattraktivität ein zentrales Motiv für BGF-Angebote. Dank steuerlicher Vorteile (§ 3 Nr. 34 EStG) können Arbeitgeber jährlich bis zu 600 € pro Mitarbeitendem steuerfrei für Gesundheitsmaßnahmen ausgeben.
Eine Online-Studie der Technischen Hochschule Aschaffenburg, vorgestellt vom Deutschen Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF), liefert konkrete Belege: Unternehmen, die ihre Gesundheitsangebote und Firmenfitness in Stellenausschreibungen kommunizieren, werden von Bewerberinnen und Bewerbern deutlich positiver bewertet als Firmen ohne entsprechende Informationen. Dieser Effekt ist unabhängig von Geschlecht, Bildungsstand und Alter. Die Studie rät zu einer authentischen, transparenten Kommunikation über BGF – insbesondere in sozialen Medien. Damit wird Gesundheitsförderung nicht nur zu einem Instrument der Mitarbeiterbindung, sondern auch zum effektiven Employer Branding.
Handlungsempfehlungen: So werden Gesundheitsprogramme zum Talentmagneten
- Ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM): Kombinieren Sie Prävention, Bewegung, mentale Gesundheit und ergonomische Arbeitsplätze. Berücksichtigen Sie dabei verschiedene Berufsgruppen und Altersklassen.
- Flexible Arbeitsmodelle verankern: Die Generation 50+ wünscht sich anpassbare Arbeitszeiten. Flexible Schichtpläne, Teilzeit-Optionen und mobile Arbeit helfen, erfahrene Fachkräfte zu halten.
- Firmenfitness und mentale Gesundheit fördern: Bieten Sie Sportkurse (Yoga, Rückenschule), digitale Fitness-Abos, Stress- und Resilienztrainings. Laut IW-Kurzbericht investiert bereits jedes vierte Unternehmen in Stress‑ oder Resilienztrainings.
- Führungskräfte einbinden: Führungskräfte prägen die Gesundheitskultur maßgeblich. Sensibilisieren Sie sie für einen gesundheitsförderlichen Führungsstil, wie es zwei Drittel der deutschen Unternehmen tun.
- Gezielt kommunizieren: Erwähnen Sie BGF- und Firmenfitness-Angebote in Stellenanzeigen, auf Ihrer Website und über soziale Medien. Die Aschaffenburg‑Studie zeigt, dass dies die Wahrnehmung als attraktiver Arbeitgeber verbessert.
- Evaluation & Steuerliche Vorteile nutzen: Messen Sie Krankenstand, Teilnahmequoten und Mitarbeiterfeedback. Profitieren Sie von steuerlichen Vergünstigungen von bis zu 600 € pro Mitarbeitendem jährlich.
Fazit: In die Gesundheit investieren, Fachkräfte gewinnen
Der Fachkräftemangel bleibt trotz sinkender Fachkräftelücke eine zentrale Herausforderung. Demografischer Wandel und geringe Mitarbeiterbindung verstärken den Handlungsdruck. Unternehmen, die mit passgenauen Gesundheitsprogrammen und Firmenfitness in die Arbeitsfähigkeit und das Wohlbefinden ihrer Beschäftigten investieren, profitieren doppelt: Sie senken Fehlzeiten, reduzieren Kosten und gewinnen einen starken Vorteil im Wettbewerb um Talente. Die Studien des IW Köln und der TH Aschaffenburg belegen, dass Gesundheitsförderung die Arbeitgeberattraktivität messbar steigert. Wer jetzt handelt, sichert sich nicht nur gesunde Teams, sondern auch die klügsten Köpfe von morgen.


